Klanginstallationen

Die Klänge für meine Installationen stammen immer vom Installationsstück "Sonnenblumenzyklen" (siehe CD'Rs).
Dabei gibt es eine "Anpassung" an den konkreten Raum, einerseits durch Filterung (entweder durch die Wiedergabegeräte oder durch Bearbeitung), andererseits durch weiterreichende Bearbeitung (auch wenn dies bis jetzt nicht nötig war, sehe ich doch einige Möglichkeiten für tiefgreifende Eingriffe (siehe beispielsweise die "sonnenblumengroove"-Stücke unter Downloads)).
Sowohl der konkrete Raum wie auch "Sonnenblumenzyklen" sind für mich also das Ausgangsmaterial.
Weshalb "Sonnenblumenzyklen"? Meiner Meinung nach hat diese Arbeit die Eigenheit, den Hör-Blick über die konkrete Umgebung hinaus zu weiten: in dieser Weite verliert sich aber nicht einfach alles, sondern die Situation als etwas Ganzes (der Raum, die eigene Stimmung etc.) wird sehr transparent, klar, fassbar, weil sie in eine erweiterte, sie umgreifende Perspektive eingebettet wird.
Auf jeden Fall möchte ich genau dies mit den Klanginstallationen erreichen.
Aus diesem Grund ist es für mich sehr interessant, eine Klanginstallation an Orten zu machen, die aus sich selbst heraus nicht unbedingt ruhig sind oder nicht unbedingt von Ruhe umgeben sind, aber auch nicht eine zu grosse Hektik aufweisen.
Mich interessiert dabei vor allem die Reaktion der Situation auf die Klänge und umgekehrt, der Prozess der Anziehung und Abstossung, der sich einspielt und die Art und Weise, wie ein/e BesucherIn in diesen Prozess einbezogen werden kann, sodass sie/er ihn nicht nur hört, sondern am eigenen Leibe erlebt.
Das Konzipieren und Einrichten einer konkreten Installation ist nichts anderes als das Fokussieren auf diesen Zweck und das In-Gang-Setzen dieses Prozesses.
Die Klanginstallation ist immer in einen Alltag als Hintergrund eingebettet, vor dem sie sich überhaupt erst entfalten kann.

Die bisherigen Installationen

Loop-Brocktober

Ich hatte zuerst vorgehabt, wie an den anderen Orten auch live zu spielen (obwohl von Anfang an klar war, dass ich am Abend kein Konzert würde machen können, dass also dieser Tag sowieso etwas aus dem Rahmen fallen würde). Ich habe dann aber bald erkannt, dass es aufgrund der hektischen Atmosphäre in dieser Brockenstube sinnlos und zudem vom Platz her praktisch unmöglich sein würde, live zu spielen. Ich habe mich deshalb für eine Klanginstallation entschlossen.
Es ging mir darum, diesen engen, labyrinthisch angelegten (und an diesem Tag fast vollgestellten) Raum mit einer Einladung zur Kontemplation zu versehen. Ausserdem wollte ich die verschiedenen Gänge ausnützen, sodass man beim Hindurchgehen ständig andere Klangmischungen erleben konnte. Ich habe deshalb drei qualitativ und also klanglich sehr unterschiedliche Wiedergabeanlagen verwendet und auf ihnen leicht zeitversetzt das Stück laufen lassen. Das zu Hörende war dadurch fast so dicht und "attraktiv" wie das zu Sehende, schien mir aber durch die Langsamkeit und die Eigenweltlichkeit der Vorgänge die Atmosphäre des Raumes wie "auszubremsen" und tatsächlich zu öffnen.

Tram-Sphère

Im Tramdepot habe ich mit gegen die Wände gerichteten Lautsprechern den Raum selbst als Filter und Resonanzraum für die sehr warmen und dichten, immer wieder langsam an- und abschwellenden Klänge der "Sonnenblumenzyklen" verwendet, da sich gezeigt hat, dass der Raum diese auch bei niedriger Lautstärke auf ganz ausserordentliche, physisch spürbare Weise "trägt“ und sie mit zusätzlichen Schwebungen anreichert, weil durch die Grösse des Raumes sehr viele reflektierte frühere Stadien des Klanges mit den aktuellen verschmelzen können: man konnte deshalb in die zwischen den Säulenreihen wogenden, dunklen Klänge eintauchen wie in ein riesiges, in Zeitlupe fluktuierendes Bernstein-Wellenbad.

Über Klanginstallationen und Konzerte

Für mich sind Klanginstallationen und Konzerte nicht zwei vollständig getrennte Bereiche, sondern spannen zusammen mit der Klangperformance einen Möglichkeitsraum auf.
Immer geht es darum, Musik in einen konkreten physischen und gleichzeitig sozialen Raum zu stellen.
Natürlich ist es für eine konkrete Intervention wichtig, ob ich als "Klangerzeuger" da bin oder nur die Lautsprecher, andererseits sind eben immer Lautsprecher da und ich sehe bei meiner Arbeit schon von Anfang an eine Verschiebungsbewegung, die schlicht mit dem Hören und Aufnehmen von Klängen beginnt.
Diese Tätigkeit ist für mich nicht einfach das Bereitstellen von Klängen, sondern eher so etwas wie Filmen (sehr schön beschrieben im zweiten Kapitel ("Tournages sonores") von "La musique concrète de Michel Chion" von Lionel Marchetti), weil sehr viele essentielle Entscheidungen getroffen, bzw. erhört, bzw. erimprovisiert werden müssen: die Wahl des Mikrophons, Abstand und Winkel zur Klangquelle, allfällige Bewegungen und dann auch die zeitliche Gestaltung der Aufnahme. Ausserdem handelt es sich um den am meisten physischen Aspekt meiner Arbeit, der zudem eine sehr intensive und intime Interaktion mit der "Welt" darstellt.
Genauso komplex ist danach der Prozess der Nicht-/Bearbeitung der Klänge.
Und dann kommt der Moment, wo die Klänge in die "Welt" zurückgelangen (in die Welt zurückprojiziert werden):
- das Konzert;
- das Performancekonzert (beispielsweise die Nachmittagskonzerte des Loop-Brocktobers, die während den Öffungszeiten stattfanden);
- das Installationskonzert (vor und eventuell auch nach den Konzerten ist eine Installationsstück zu hören, sodass der Zuhörer bereits einen von Klängen bestimmten Raum betritt);
- die Klanginstallation.

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